
Wenn das Telefon klingelt, verheisst das meistens nichts Gutes. "Entschuldigen Sie die Störung, aber bin ich verbunden mit.."? Das Klingeln des Telefons getarnt als die Geißel der Verwaltung, der Mutter, des nicht mehr vorhandenen Vaters, des heiligen Geistes und des komplett vereinigten Ungemachs. Zusammen mit der ebenfalls auf dem Nachttisch liegenden Uhr bildet das Telefon eine unüberwindbare Front, die uns immer wieder daran erinnert, dass wir erst leben müssen um zu sterben. Das Telefon ist erbarmungslos. Ich behaupte einmal, dass uns die Dinge, die man so am anderen Ende eines Telefon hört, häufiger negativ als positiv stimmen. Natürlich, vieles ist einfach auch nur Soße, neutral unaufgeregter Brei. Worthülsen. In der Strassenbahn, im Bus, in der U-Bahn. Unterirdisches. "Loch, Verbindung, knack, geil, Mongo, weg, hallo, Chef, voll, feiern, cool, Mitarbeiter, Tunnel, abgefahren". Aber warum kann man denn Lulu nicht einfach etwas Schönes mitteilen? Beispielsweise, dass sie schwanger ist? Oder, dass sie gerade im Lotto gewonnen hat. Stattdessen nur die Mutter. Mutters Stimme als Peitsche. Warum kann man denn Lulu nicht beibringen, dass sie keine Schuld trifft? Wir werden da doch reingeboren in diese Welt. Und zack, da sind wir. "Guck einmal du kleines Ding. Das hier ist dein Vater. Und das hier, das ist deine Mutter". Viel Spass damit.
Lulu ist heute ungefähr 35 Jahre alt und hat sich ergeben. Auch heute ruft die Arbeit. Doch unmittelbar vor ihrer Zimmertür liegt eine riesige Python auf dem Boden und versperrt ihr den Weg. Lulu schaut ihr in die Augen, steigt über sie hinweg und geht. Keine Reaktion.