Mittwoch, 6. Juli 2011

I love Beijing (2001) - Ning Ying

In China essen sie Hunde. Die Menschen sind klein, haben ungefähr alle den selben Namen und sehen sowieso alle gleich aus. Was wissen wir schon über dieses grosse Ungetüm namens China, welches vermutlich schon bald das Zepter der Supermacht Nr.1 an sich reissen wird? Wenig wissen wir. Wenig bis gar nichts. Ai Wei Wei, die KP, die Kulturrevolution und die Chinesische Mauer fallen einem da noch ein. Doch irgendwie ist dieses China einfach nicht greifbar. Das muss eine andere Welt sein. Die da drüben müssen irgendwie anders sein. Doch die Regisseurin Ning Ying und ihr Film "I love Beijing" belehren uns eines besseren. Die Sorgen und Nöte der Filmfiguren sind uns Westlern gar nicht mal so unbekannt. Die Männer sind auf der Suche nach schnellem Geld, Karriere und Sex und die Frauen fragen sich warum ihre Partner sie nicht richtig lieben. Egal ob in Paris, London oder Peking. Es ist das ewig grosse Missverständnis. Die Frauen bekommen nicht die Aufmerksamkeit, die ihnen zusteht. Und die Männer kriegen nicht annähernd soviele Frauen, damit sie in Ruhe endlich platzen können. Die Verlorenheit und die Gier sind längst in China angekommen. Chongqing, Shenyang, Tianjin oder Guangzhou. Millionenstädte, von denen die meisten von uns noch nie etwas gehört haben. Alle wollen sie ein grosses Stück vom Kuchen abhaben. Und der Kuchen ist riesig. Im Vergleich dagegen sieht Amerika aus wie ein kleiner Cupcake. Ja kann man es den Chinesen denn verdenken? Nein, mit Sicherheit nicht. Aber wohin die Begehrlichkeiten der Amerikaner das eigene Land gebracht haben, wissen wir ja mittlerweile. Nämlich kurz vor den Abgrund. Oder um es mit dem Titel des aktuellen Albums der österreichischen Band "Ja, Panik" zu sagen: DMD KIU LIDT. Die Manifestation des Kapitalismus in unseren Leben ist die Traurigkeit.