Samstag, 21. August 2010

Nokan (2008) - Yôjirô Takita

Wir kommen und wir gehen. Gott gibt und Gott nimmt. Warum wir eines Tages gehen müssen, werden wir hoffentlich nie erfahren. Doch unser letzter Tag wird kommen. Für den Japaner Daigo Kobayashi gehören solche Tage zum Geschäft. Kobayashi arbeitet in einem Unternehmen, das sich auf „Reisen“ spezialisiert. Doch können bei diesem Unternehmen keine herkömmlichen Reisen gebucht werden. Gebucht wird nur eine Reise. Die letzte Reise. Kobayashi beherrscht nämlich die Kunst des Aufbahrens, des japanischen Nokans. Die Kunst des Ausklangs. Vor den Augen der Angehörigen bereitet er die Leichen der Verstorbenen auf die Beerdigung vor. Während die Leichen also gewaschen, angezogen und geschminkt werden, stelle ich mir immer und immer wieder diesselbe Frage: Wieviel kriegt dieser scheinbar leblose Körper von alledem noch mit? Ist die Seele dem Körper schon entwichen? Wenn ja, wo steckt sie? Ist sie schon oben an der Himmelspforte oder hat sie sich gerade eben bequem zwischen die liebsten Verwandten gesetzt und schaut sich gerade selber dabei zu, wie sie für die letzte Reise nochmal so richtig aufwändig und mit viel Liebe zurechtgemacht wird? Ich weiss es nicht. Der nasse Lappen. Der Pinsel. Die Tränen. Alles. Der Gedanke jedoch, dass die oder der Verstorbene noch möglichst viel davon mitkriegt, erfüllt mich mit Trost. Ob dem wirklich so ist, werde ich nie erfahren. Nicht lebendig. Ich bin bloss ein Mensch. Gott sei Dank.