
Was war Sidney Lumet 1976 bloss für ein Prophet. Unheimlich präzise erzählt er uns in seinem Oscar-prämierten Film wie Fernsehen funktioniert. "Network" war damals aber lediglich eine leise Vorahnung auf das, was uns heute tagtäglich geballt und in voller widerlicher Wucht von der Mattscheibe entgegenschlägt. Aber dass uns das Fernsehen irgendwann Heidi Klum, Frauke Ludowig und Dieter Bohlen in einer derart quotengeilen Gnadenlosigkeit um die Ohren hauen wird, damit haben wohl selbst die kühnsten Fernsehkritiker nicht gerechnet. Aufrichtiger Journalismus? Qualitätsfernsehen? Bildung? Weg damit! Die Masse ist dumm und darum werfen wir ihr auch den entsprechenden Frass hin. Aber Achtung. Leicht verdaulich muss er sein, der Frass. Denn nur wer schnell und leicht verdaut, kann auch bald wieder genüsslich zulangen. Hier, nehmet und esset alle davon. Es ist gemacht für alle. Es ist gedacht für jeden. Einen Löffel Geilheit, zwei Happen Schadenfreude. Ach was. Am besten gleich eine ganze Hand voll von allem. Kerners Verständnis für alles und jeden, Gottschalks ungekünsteltes Desinteresse, Ludowigs weltbewegende Prominews, und, nicht zu vergessen, Stefan Raabs unwiderstehlich gute Laune. Und nun? Besteht vielleicht nach all den Jahren der geistigen Talfahrt bei den Sendern noch ein klitzekleines Fünkchen Hoffnung auf Besserung? Haha. Hoffnung! Haha. Fünkchen! Haha. Besserung!