Ich sehe etwas, was du nicht siehst. Da ist Gott, da sind Geister und da sind auch tote Seelen. Blödsinn! Alles nur Fantasie und Einbildung, sagen die gebildeten Erwachsenen. Ja aber Vater, ich weiss doch, dass da was ist. Der kleine Alexander sieht da nämlich Dinge, die wir nicht sehen. Doch er ist nur ein Kind. Und wer hört schon auf ein Kind? Ich bitte Sie. Das Kind lügt! Alles nur Einbildung. Wir Erwachsenen glauben lieber an Dinge, die wir sehen, anfassen, riechen und auch hören können. Das ist besser. Von dem anderen wissen wir zwar, verdrängen es aber. Es ist ungewiss und macht Angst. Diesem Etwas fehlt zudem jedes wissenschaftliche Fundament. Und alles, was wir Erwachsenen nicht mit rationalen Beweisen untermauern können, macht uns Angst. Es ist die Angst, die sicher geglaubte Welt aus den Händen zu geben. Es ist die Angst vor dem grossen Unbekannten. Denn es ist ja auch sehr viel einfacher sich auf unsere ach so beschaulich kleine Welt zu konzentrieren, anstatt die grossen Zusammenhänge und das Übersinnliche als feste Bestandteile unserer Welt zu akzeptieren. Wir Erwachsenen sind verseucht mit handfesten Dingen, die nicht zählen. Mit Dingen, die keinen interessieren. Wir glauben an das, was wir sehen. Zahlen, Statistiken, Diagramme, Ordner, nochmal Zahlen und Tarife. Die Kinder sehen alles. Sie denken global. Sie sind unberührt und rein. Doch da sind ihre Eltern. Sie sind ihre grössten Feinde. Wahrlich, es gibt Ausnahmen. Diese bestätigen aber nur die Regel. Die Eltern stellen die Weichen und setzen die Kinder in den Zug. Der Zug fährt los. Er fährt in die falsche Richtung. Die Zugfahrt endet und die Kinder sind erwachsen. Ein Teufelskreis.Mittwoch, 19. Mai 2010
Fanny und Alexander (1982) - Ingmar Bergman
Ich sehe etwas, was du nicht siehst. Da ist Gott, da sind Geister und da sind auch tote Seelen. Blödsinn! Alles nur Fantasie und Einbildung, sagen die gebildeten Erwachsenen. Ja aber Vater, ich weiss doch, dass da was ist. Der kleine Alexander sieht da nämlich Dinge, die wir nicht sehen. Doch er ist nur ein Kind. Und wer hört schon auf ein Kind? Ich bitte Sie. Das Kind lügt! Alles nur Einbildung. Wir Erwachsenen glauben lieber an Dinge, die wir sehen, anfassen, riechen und auch hören können. Das ist besser. Von dem anderen wissen wir zwar, verdrängen es aber. Es ist ungewiss und macht Angst. Diesem Etwas fehlt zudem jedes wissenschaftliche Fundament. Und alles, was wir Erwachsenen nicht mit rationalen Beweisen untermauern können, macht uns Angst. Es ist die Angst, die sicher geglaubte Welt aus den Händen zu geben. Es ist die Angst vor dem grossen Unbekannten. Denn es ist ja auch sehr viel einfacher sich auf unsere ach so beschaulich kleine Welt zu konzentrieren, anstatt die grossen Zusammenhänge und das Übersinnliche als feste Bestandteile unserer Welt zu akzeptieren. Wir Erwachsenen sind verseucht mit handfesten Dingen, die nicht zählen. Mit Dingen, die keinen interessieren. Wir glauben an das, was wir sehen. Zahlen, Statistiken, Diagramme, Ordner, nochmal Zahlen und Tarife. Die Kinder sehen alles. Sie denken global. Sie sind unberührt und rein. Doch da sind ihre Eltern. Sie sind ihre grössten Feinde. Wahrlich, es gibt Ausnahmen. Diese bestätigen aber nur die Regel. Die Eltern stellen die Weichen und setzen die Kinder in den Zug. Der Zug fährt los. Er fährt in die falsche Richtung. Die Zugfahrt endet und die Kinder sind erwachsen. Ein Teufelskreis.