
Während sich das Bürgertum aufs Prächtigste amüsiert, muss einer draussen bleiben. Der Chauffeur. Seine Arbeitgeber fressen, saufen und grapschen sich drinnen um den Verstand. Er aber darf nicht mitmachen. Er muss warten. Doch was macht eigentlich so ein Chauffeur ungefähr fünf Stunden lang in seinem Jaguar? Plant er den grossen Aufstand? Den Umsturz? Telefoniert er währenddessen mit irgendeinem revolutionären Bündnis? Studiert er „Das Kapital“ von Marx oder widmet er sich eventuell sogar radikaleren Dingen wie etwa Rohr -und Kofferbomben? Was tut der gute Mann nur stundenlang in diesem Auto, frage ich mich. Ja nichts. Nichts tut er. Brav wartet er bis seine Arbeitgeber wiederkommen. Und das tun die dann auch. Irgendwann. Mit Kaviar in den Mundwinkeln, Martini im Dekolleté und Hummerresten im Haar torkeln sie ihm entgegen und lassen sich satt und überzeugt in den Wagen sacken. Nein. Subversiv ist er nicht, Luis Buñuels Chauffeur. So ein Angestelltenverhältnis ist ja aber auch was Schönes. Das ist gar nicht mal so selbstverständlich heutzutage. Da kann man froh sein. Madame Sowieso und Monsieur Hastenichgesehn zahlen bestimmt auch nicht schlecht. Ist doch gut, oder? Ja, und sonst? Hm. Ach ja. Am Samstag ist wieder 1. Mai. „Eine kommunistische Welt ist möglich“.